Der Karwer Gutspark

Kultur- und Naturerbe der Region Ostprignitz-Ruppin


Juni - Unter dem Schatten alter Bäume

Der Karwer Park umfasst eine beachtliche Fläche von ca. 21 ha. Nahezu zwei Drittel werden von den Agrarflächen auf den Seebergen eingenommen (was bei einem Spaziergang interessanterweise kaum auffällt). Die einstige große Schlosswiese, im Gartenjargon ‚Pleasure Ground‘ genannt, existiert schon lange nicht mehr. Geblieben aber ist der wundervolle Baumbestand, der die Wege und den alles umrundenden Gürtelweg im hinteren verwilderten Parkareal säumt. Die Bäume spenden an heißen Sonnentagen angenehmen Schatten. Überalterung, jahrzehntelange Vernachlässigung und Trockenheit haben jedoch ihre Spuren hinterlassen. Einige Baumarten existieren in nur wenigen Exemplaren, andere breiten sich massiv aus. Neben kümmerlichen Einzelindividuen spriesst vitaler Mittel- und Jungwuchs. Und es gibt auch noch sehr alte Veteranen. Manche haben hunderte von Jahren ‚auf dem Buckel‘, wie die dicke Platane hinter dem Eiskeller. Sie stand schon auf der Schlosswiese als Fontane im Jahre 1859 Karwe besuchte. Als botanische Besonderheit kann man einen seltenen Urweltmammutbaum hinter dem Bolzplatz bestaunen. Die Artenfülle an Parkgehölzen ist beachtlich und ein wahrer Schatz gegenüber den eher eintönigen Wäldern in der näheren Umgebung. Eine genauere Auflistung zählt um die dreißig Arten: 

Abies nordmannii (Nordmanntanne; dünnes Kümmerexemplar in Dreier-Gruppe mit Douglasie; am Ferienhaus)

Acer campestre (Feldahorn; selten im Gebüschsaum) 

Acer platanoides (Spitzahorn; Pioniergehölz; sehr häufig im Aufwuchs) 

Acer pseudoplatanus (Bergahorn; sehr häufig im Aufwuchs) 

Aesculus hippocastanum (Rosskastanie; Uferweg; im Halbkreis hinter der Seeberg-Steinbank; dort abgängig) 

Ailantus altissima (Götterbaum; ein größeres Exemplar hinter Ferienhaus an der Grabstelle; invasive Art!) 

Alnus glutinosa (Schwarzerle; typischer Uferbegleiter; Probleme durch Unterspülung bei hohem Seewasserstand) 

Carpinus betulus (Hain- oder Weißbuche; häufig) 

Corylus colurna (Säulenhasel; ein schwächelndes Exemplar am Bolzplatz; muss wahrscheinlich gefällt werden) 

Fagus sylvatica f. purpurea (Blutbuche; Parksolitär; mehrere Neuanpflanzungen im Park) 

Fagus sylvatica subsp. sylvatica (Rotbuche; gefährdet aber noch einige schöne alte Exemplare Richtung Seehof)

Fraxinus excelsior (Esche; häufig, krankheitsgefährdet durch Eschentriebsterben) 

Metasequoia glyptostroboides (Urweltmammutbaum;1 Exemplar vis à vis Bungalowareal; aus 1970iger Jahren?

Morus sp. (Maulbeere; drei Exemplare angepflanzt von der Stadt Neuruppin; trockenresistent; alle angegangen) 

Platanus x hispanica (Platane; insgesamt drei Exemplare; ältestes Exemplar hinter dem Eiskeller stark gefährdet) 

Populus alba (Silberpappel; Pioniergehölz; Sichtfenster Seeberg-Achse lästige Verbreitung durch Sämlinge) 

Populus tremula (Zitterpappel; einige wenige Exemplare am Uferweg Richtung Seehof) 

Prunus avium (Kulturkirsche; erfolgreiche Neuanpflanzung verschiedener Sorten auf dem Kirschberg) 

Prunus cerasifera (Kirschpflaume; Weg der Romantik; überaltert; erste Nachpflanzung an der Steinbank) 

Prunus padus (Traubenkirsche; hier und da am Uferweg und im Gebüsch; keine größeren Bäume) 

Pyrus communis (Birne; ein Exemplar auf Zwischenstreifen an den Seebergen gesichtet; noch da?

Quercus petraea (Traubeneiche; selten; Neuanpflanzungen auf dem Gutshof) 

Quercus robur (Stieleiche; häufig, auch > 200-300jährige Exemplare)

Pseudotsuga menziesii (Douglasie; ein spilleriges entastetes Exemplar hinter dem Ferienhaus nahe Grabstelle) 

Quercus robur ‚fastigiata’ (Säuleneiche; sehr altes Exemplar auf dem Gutshof; junge Bäume Grenze alte Schule) 

Robinia pseudoacacia (Gewöhnliche Robinie; am Uferweg/Nähe Badestelle) 

Salix sp. (Weide; selten, einige Exemplare am Seeufer, Parkeingang; Wildzugang; S. fragilis?) 

Taxus baccata (Eibe; Relikt des ehemaligen Pleasurgrounds mit Chinesischem Wachholder und Kirschlorbeer) 

Tilia cordata (Winterlinde; Neuanpflanzung Gutshof; z. B. 'drei Grazien' vor dem Pferdestall) 

Tilia platyphyllos (Sommerlinde; häufig verwildert und gepflanzt hinter der alten Steinbank Seeberg II) 

Ulmus laevis (Flatterulme; häufig, schöne Exemplare am Parkeingang/Badestelle)

 

Schützt unsere Bäume! 

 

"Nichts ist für mich mehr Abbild der Welt und des Lebens als der Baum"

 

Christian Morgenstern

 

 

Unser Baum des Monats Juni ist die Robinie - trockenresistente Bienenweide mit invasivem Potential